Current News from: "Museum Hohe Schule Herborn"

Walter Schwahn - mehr als ein Heimatdichter!

17. Mar 2019
Museum Hohe Schule Herborn

Walter Schwahn kam 1908 in Herborn zur Welt. Seine schriftstellerische Begabung wurde bereits früh vom Herborner Schulrektor Schumann entdeckt und gefördert. Schumann selber pflegte damals die Herborner Heimatkunde und erzählte seinen Schülern gerne und reichlich Herborner Anekdoten und Sagen. Der Schulbesuch nach der Volksschule war schulgeldpflichtig und Geld war knapp im Hause Schwahn. Zudem gehörte Walter Schwahn zu jener Generation, deren Leben von den beiden Weltkriegen in besonderem Maße verdüstert wurde. Schwahn machte eine Buchhändlerlehre, deren erfolgreicher Abschluss führte jedoch in der Weltwirtschaftskrise von 1930 zunächst in die Arbeitslosigkeit, bis er eine Stelle in der Industrie fand. Seine Stunde als Heimatschriftsteller schlug nach dem Zweiten Weltkrieg. Zur 700-Jahrfeier Herborns im Jahr 1951 sollte ein Stück Heimatgeschichte auf die Bühne gebracht werden. Ein Wettbewerb wurde ausgeschrieben, den Walter Schwahn mit seinem Entwurf der “Barbara“ für sich entscheiden konnte. Der Stoff stammte aus der Herborner Sagenwelt, verbunden mit handfesten historischen Überlieferungen des Stadtschreibers Hoen aus dem Dreißigjährigen Krieg. Die Dramatisierung und die Gestaltung zeigen jenen Walter Schwahn, dessen sicheres Gespür für packende Szenen und machtvolles Anliegen, seinen Mitbürgern Botschaften zu übermitteln, schon damals ausgereift vorhanden waren. Die „Barbara“ rückt die sogenannten einfachen Leute in den Mittelpunkt. Der Konflikt um den mit knapper Not und nicht zuletzt ausgerechnet von dem verachteten Scharfrichter verhinderten Justizmord an Barbara, lässt die gerade in der Heimatliteratur gerne paradierten Eliten aus Politik, Militär und Kirche ziemlich kläglich aussehen. Der Nachlass des vor dreißig Jahren Verstorbenen besteht neben den von ihm verfassten Bühnenstücken aus zahllosen Beiträgen für das Herborner Tageblatt (als wsw). Seine regelmäßigen Kolumnen sorgten dafür, dass der Herborner Ehrenbürger und Träger der Bundesverdienstmedaille einem breiten Publikum in Erinnerung geblieben ist: mal als nüchterner Berichterstatter, mal den Mitmenschen arglos den Spiegel vorhalten.Die Ausstellung konnte nur verwirklicht werden, weil die Kennerin dieses Lebenswerks, Walter Schwahns Tochter Anne Schmidt, eine Auswahl von Texten zur Verfügung stellte, die in der Stadtbücherei digitalisiert wurden. Gegenstände aus Schwahns Alltag eignen sich nicht nur, um die Optik einer sonst zwangsläufig aus Bildern und Text en bestehenden Ausstellung aufzuhübschen, sondern auch für die Darstellung seiner Lebensumstände. Sie zeigen sehr schön, dass der Mann, der Vielen Freude machte und gute Anregungen gab, ein stilles, bescheidenes Leben führte. Die Ausstellung wird bis Anfang September zu sehen sein. (RSt/ul)

Advertisement